© noshe

Das neue Ensemble reagiert auf die barocke Logik des Stadtgrundrisses ebenso wie auf die Verdichtungsregeln des 19. Jahrhunderts. Es absorbiert das Objekthafte des bestehenden Büroturms und registriert die Konfrontation von Hochhäusern über die Mauer hinweg. In dieser Kombination von Raum- und Gebäudeformen unterschiedlicher Generationen ist die neue Hochhausscheibe der Gebäudeteil, der mit der Gegenwart und der Zukunft assoziiert wird.

Die Aufgabenstellung gilt hier einerseits dem Thema „Arbeitsplatz in der Stadt“, andererseits einer Architektur, die im Eingehen auf die gebaute und natürliche Umwelt sparsam mit Ressourcen umgeht. Es entstand ein Niedrigenergie-Gebäude, dessen technisch-konzeptuelles Engagement für den sparsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen mit einer Architektur entsprochen wird, die mit sinnlich anregenden Räumen für eine Verbesserung des unmittelbaren Wohlbefindens ihrer Nutzer sorgt.

Gleichermaßen bildet das Gebäudeensemble einen Akzent in der Stadt, der – aus der Tradition des Ortes entwickelt – die Inhalte und das Engagement einer neuen Architekturgeneration manifestiert.

© Reinhard Görner

Um die Geschichte des Grundstücks in der Kochstraße zu verstehen, muss man die Geschichte von Berlin kennen. Die Stadt hat seit 1700 eine extrem wechselhafte Abfolge unterschiedlicher Ideen erlebt, die ihre Struktur geprägt haben. Die barocken Stadterweiterungen der nördlichen und südlichen Friedrichstadt wurden im späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert zum „steinernen Berlin“ verdichtet. Die Bombardements von 1945, der Wiederaufbau in Ost und West, der Einschnitt der Mauer und die Internationale Bauausstellung in den achtziger Jahren führten zu der Stadtgestalt, die wir zu Beginn dieses Projektes hier vorfanden. Die Gleichzeitigkeit der Spuren vieler Entwicklungsstadien weist die Friedrichstadt in besonderem Maße als eine reichhaltige Landschaft aus, die die soziale, kulturelle und politische Geschichte der Stadt und ihrer Bevölkerung verkörpert.

Essay

Hanns Zischler

Das gesamte Grundstück wurde als kontinuierliche öffentliche Fläche betrachtet, auf der sich „Teppiche“ befinden, die zum Verweilen einladen. Zur Markgrafenstraße hin ein Hain mit Platanen, zur Charlottenstraße eine Holzterrasse mit Stufen und Bäumen. Die Eingangshalle ist als überdachter
Straßenraum konzipiert.

Die Fassade des Flachbaus ist analog zu seiner liegenden, massiven Gebäudeform in einem schweren Material ausgeführt. Terrakottaplatten in einer graphitfarbigen Glasur wurden speziell für dieses Bauvorhaben entwickelt und angefertigt.

© bitterbredt.de

Die Hochhausfassaden sind die wichtigsten baulichen Elemente des Niedrigenergiekonzepts. Ein hoher Glasanteil erlaubt maximale Tagesbelichtung. Über Sonnen- und Blendschutz wird Wärme- und Lichteinlass
geregelt; durch Ausbildung von Pufferzonen in den doppelten Glasschichten verfügen sie über einen relativ hohen Transmissionswärmewiderstand. Die Ostfassade mit ihren porenhaften Zuluftöffnungen funktioniert wie eine glatte Haut; die Westfassade gleicht mit ihrer Tiefe und der Auflösung in gestaffelte Schichten einem Fell. Alle flexiblen Elemente der Fassade sind mit einem zentralen Steuerungssystem verbunden und individuell von jedem Arbeitsplatz aus steuerbar. Durch diese Steuerung verändert sich das Bild vor allem der Westfassade kontinuierlich.

© Annette Kisling
© bitterbredt.de
© bitterbredt.de
© Annette Kisling
© Annette Kisling

Aufgabe

  • Erweiterung und Sanierung eines bestehenden Bürohochhauses

Bauherr

  • GSW Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbau-
    Gesellschaft Berlin mbH

Daten

  • Bruttogeschossfläche: 48.000 m²
  • Wettbewerb: 1991, 1. Preis
  • 1995 — 1999