Die Erweiterung des Kunsthaus Zürich ist ein eleganter Gebäudekomplex, der sowohl als geschlossenes Volumen als auch als Cluster aus mehreren Baukörpern gelesen werden kann. Dieser mehrdeutige Auftritt korrespondiert zum einen mit der kuratorischen Grundlage des Kunsthauses, dessen Dauerausstellung sich aus einer Summe unterschiedlicher Sammlungen zusammensetzt: Ein nicht hierarchisches internes Wegenetz verbindet ein Cluster von in Proportion, Größe, Licht und Materialien differenzierten Ausstellungsräumen. Zum anderen ermöglicht es diese Figur, auf unterschiedliche städtebaulichen Nachbarschaften mit unterschiedlichen Maßstäben einzugehen.

Zu den beiden Bestandsbauten des Kunsthauses zeigt sich das Haus jeweils mit einer großen repräsentativen Front, ebenso nach Norden hin, wo ein Skulpturengarten eine Schnittstelle zum Freiraum der gegenüberliegenden Kantonsschule bildet. Zu den Seiten am ansteigenden Hang reagiert das Volumen auf die kleinteiligere Struktur der umgebenden Straßenräume. Mit dunklen, reflektierenden Fassadenflächen zu Platz und Garten erhält der Neubau einen dezenten und selbstbewussten Auftritt. Die leicht geneigte Oberfläche am belebten Heimplatz funktioniert dabei wie ein Spiegel, der das städtische Leben in die Architektur absorbiert und zu einem dynamischen Bild bündelt.

Im Erdgeschoss des Museums steht neben einer Gastronomie ein breites Angebot öffentlicher Räume für Veranstaltungen aller Art zur Verfügung. Diese Räume sind um einen zentralen Patio gruppiert, der nicht nur alle anschließenden Räume mit Tageslicht und Ausblick versorgt sondern auch das Überleben einer am Ort vorhandenen hundertjährigen Platane ermöglicht. Dieser großgewachsene Baum wäre ein letztes Andenken an den hier zuvor bestehenden Schulstandort, der im Leben vieler Züricher eine wichtige Rolle gespielt hat. Zugleich bildet er einen Fokus für das gesamte Gebäude und verankert den neuen Kunstort auf eine sehr eigene Art in der Geschichte des Ortes.

Aufgabe

  • Kunstmuseum mit Auditorium und Gastronomie

Bauherr

  • Stadt Zürich, Amt für Hochbauten

Daten

  • Bruttogeschossfläche: 17.940 m²
  • Wettbewerb: 2008