Stadtlandschaft
M20 ist wie eine adaptive Topographie, die die disparaten Einzelkörper der großen Kulturinstitutionen verbindet. Scharouns unvollendete Idee der Stadtlandschaft denken wir weiter, ohne deren Relikte zu desavouieren. Die von Scharoun konzipierten Raumkanten und Stadträume werden sowohl an der Potsdamer Straße als auch am Matthäikirchplatz artikuliert. Dabei vermeidet das M20 jedes Pathos. Es fungiert als ein offenes Verbindungsglied zwischen den verschiedenen Gebäuden und Stadträumen und verknüpft alle Wege über das Kulturforum. Das Zusammentreffen ist wichtiger als die Repräsentation.

Äußeres und inneres Forum
1964 war das Kulturforum in erster Linie ein Wunschgedanke – ein Simulacrum für eine funktionierende demokratische Gesellschaft, eine der Kultur vorbehaltene Stadtkrone. Nach fünfzig Jahren demokratischer Praxis sind unsere Erwartungen weniger abstrakt. Wir bemühen uns darum, die Vielfalt in dieses Quartier zurückzubringen und dem städtischen Leben am Matthäikirchplatz Raum zu geben – jenseits von Kommerz. Dieses Äußere Forum setzen wir im Innern des Gebäudes fort, das schwellenlos aus drei Richtungen betreten werden kann. Die Zuwege treffen in einem tagesbelichteten Raum zusammen, der sich dreidimensional zu einem Inneren Forum entfaltet. Dieses Innere Forum kann ganzjährig und auch außerhalb der Öffnungszeiten des Museums ein breites Programm anbieten, während die ruhigeren Räume in den Obergeschossen der Museumsnutzung allein gelten. Zusammen ergeben das Äußere und das Innere Forum ein Kontinuum, das die Schwellen zwischen öffentlichem Raum im Freien und im Gebäude reduziert. Kultur und Stadt werden synonym und das Museum zum sozialen Ort.

Museumslandschaft
Das Kulturforum ist bereits eine kleine Enzyklopädie moderner und post-moderner Museumsarchitektur. Das M20 setzt diese typologische Geschichte mit einer Neuinterpretation des Obergeschosses der Neuen Nationalgalerie fort: Wo Mies van der Rohe einen gläsernen Kubus als Ausstellungsraum auf einem öffentlichen quadratischen Sockel anbietet, invertiert das M20 dieses Muster: Im Zentrum liegt ein gläsernes Forum, das sich zwischen opaken Ausstellungsboxen aufspannt. Dieser Zwischenraum ist ein kontinuierliches dreidimensionales Gefüge, das Blicke in alle Richtungen des Koordinatensystems öffnet, die immer wieder auch auf die anderen Gebäude des Kulturforums gerichtet sind. Die Öffnung zum Himmel lässt dieses Innere Forum im Tageslicht erstrahlen.

Aufgabe

  • Museumsneubau für Kunst des 20. Jahrhunderts

Bauherr

  • Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Daten

  • Bruttogeschossfläche: 26.120 m²
  • Wettbewerb: 2016

Projektteam